Prämienerhöhung rechtswidrig: LG Bonn zu PKV

Rechtswidrige Premienerhöhung: In einem neuen Urteil hat das Landgericht Bonn entschieden, dass die Prämienerhöhung vieler privaten Krankenversicherungen unzulässig ist. Nach Angaben von Experten sind rund 40 Prozent aller privaten Versicherungsverträge betroffen und die Versicherten können Geld zurückfordern.

Rechtswidrige Prämienerhöhung: Urteil des LG Bonn
Rechtswidrige Prämienerhöhungen: Urteil des LG Bonn

Rechtswidrige Prämienerhöhung im Wesentlichen

Das Gesetz sieht vor, dass der Beitrag in einem Tarif nur dann erhöht werden darf, wenn die Versicherungsleistungen nachweislich um mehr als zehn Prozent höher sind als ursprünglich berechnet.

Ferner kann eine Erhöhung nur mit Zustimmung eines unabhängigen Treuhänders vorgenommen werden. Die Beitragserhöhung bedarf zudem der Zustimmung der Aufsichtsbehörde (BaFin). Nahezu jede zweite Erhöhung von privaten Krankenversicherungen ist rechtswidrig, so Rechtsanwalt Knud J. Steffan.

Viele Versicherer nehmen jedoch vom Gesetz abweichende Klauseln in ihren Versicherungsbedingungen vor. Hier wird Berechnungsfaktor für eine Beitragserhöhung einfach von 10 % auf 5 % abgesenkt. Dies führt zu einer schnelleren und früheren Erhöhung der Prämie. Diese Erhöhung ist konstant und führt zu höheren Zahlungen über viele Jahre hinweg.

Der BGH hat die Praktiken der Versicherer bereits unter Verdacht gestellt. Viele Versicherungsnehmer halten Treuhänder, die diese Beitragserhöhungen durchwinken nicht für unabhängig, da diese von Zahlungen und Auftrag der Versicherer abhängig sind. Mehr zu diesem Thema können Sie hier lesen.

Das Urteil – die rechtswidrige Prämienerhöhung

In dem Fall vor dem LG Bonn – Az. 9 O 396/17 (nicht rechtskräftig) – wurde eine private Krankenversicherung der DKV angefochten.  Der Versicherer hat mehrere Beitragserhöhungen vorgenommen, wobei der Berechnungsfaktor auf 5% festgelegt wurde.

Die DKV ist der Ansicht, dass die Erhöhungen in Ordnung seien. Das Gesetz sehe lediglich eine Obergrenze von 10% vor. Eine abweichende Vereinbarung mit dem Versicherungsnehmer sei zulässig und rechtlich unbedenklich.

Die Bonner Richter gingen jedoch einen anderen Weg. Sie entschieden, dass die Erhöhung wegen der 5%igen Differenz zwischen laufenden und vorausberechneten Kosten rechtswidrig sei. Der Versicherer darf die Prämie bei einer so geringen Ausgabendifferenz nicht erhöhen. Der Versicherte kann das zu viel gezahlte Geld zurückfordern.

Das Gerichtsurteil ist nicht rechtskräftig, und der Versicherer hat bereits erklärt, dass er Rechtsmittel einlegen will.

Rechtsfolge für die Praxis

Diese neue Regelung ist wichtig für die Praxis. Viele Versicherer – darunter DKV, Signal-Iduna und Allianz – haben solche 5 %-Klauseln in ihre Verträge aufgenommen. Dies könnte bedeuten, dass die Versicherungsnehmer seit einigen Jahren für die PKV überbezahlt haben.

Erhöhungen in den letzten 10 Jahren können unrechtmäßig sein. Die Versicherungsnehmer können daher die gezahlten Erhöhungsbeiträge der letzten 10 Jahre zurückfordern. Das Urteil von Bonn zeigte die Bereitschaft der Richter, die Versicherer an den geltenden Vorschriften festzuhalten.

Es bleibt abzuwarten, wie das zuständige Oberlandesgericht entscheiden wird. Allerdings gibt es auch schon OLG Urteile zu Gunsten der Versicherten.

Justus rät:

Als Versicherungsnehmer einer privaten Krankenversicherung sollten Sie die Beitragserhöhungen Ihrer Versicherung nicht einfach hinnehmen, sondern Ihre Vertragsunterlagen durch einen unserer Rechtsanwälte für Versicherungsrecht überprüfen lassen.

Nutzen Sie unser Angebot zur kostenfreien Erstberatung. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder rufen uns direkt an. Für die Prüfung der Erhöhung und Berechnung des Rückforderungsbetrages benötigen wir die letzten Beitragserhöhungen sowie die allgemeinen Versicherungsbedingungen ihrer privaten Krankenversicherung.

Mehr zum Thema “Versicherungsrecht” finden Sie hier.

Ansprechpartner:
Stefanie Saßning
Rechtsanwältin
E-Mail: Sassning@kanzleimitte.de

Telefon: 030-440 449 66
Telefax: 030-440 449 56
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E-Mail: Justus@kanzleimitte.de

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2 Antworten auf „Prämienerhöhung rechtswidrig: LG Bonn zu PKV“

  1. Guten Tag,
    Können Sie mich bitte im Fall der PKV rechtswidriger Prämienerhöhung auf dem Laufenden halten. Insbesondere wenn ein Urteil rechtskräftig geworden ist und Rückforderungen aussichtsreich einklagbar sind. Vielen Dank.

    1. Wir recherchieren laufend und aktualisieren unsere Artikel. Abbonieren Sie doch einfach unseren Newsletter. Hier informieren wir monatlich zu unseren Topthemen auch über die PKV und Urteile zur Beitragserhöhung.

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Versicherungsrecht Das Versicherungsrecht regelt die Rechte und Pflichten zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsgeber. Versicherungsrecht Es umfasst Rechtsvorschriften für die Sozialversicherung und die Privatversicherung (Privatversicherungsrecht). Versicherungen sind Verträge zwischen zwei Parteien, dem Anbieter und dem Versicherungsnehmer. In ihnen sind Leistungen festgelegt, die bei einem Unglücksfall zur Auszahlung kommen sollen. Rechtsnormen im Versicherungsrecht: Neben den allgemeinen Rechtsnormen des BGB, HGB, AGBG etc. v.a. das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB). Sie können uns in allen Versicherungsstreitigkeiten beauftragen. Insbesondere sind wir tätig bei folgenden Versicherungen:
Bei der Lebensversicherung handelt es sich um eine Individualversicherung, die den Tod der versicherten Person wirtschaftlich absichert. Dazu wird ein Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen, indem vereinbart wird, dass eine bestimmte Versicherungsleistung im vertraglich vereinbarten Versicherungsfall an den Versicherungsnehmer oder einen anderen Bezugsberechtigten ausgezahlt wird. Eine Lebensversicherung kann in eine Risikolebensversicherung oder Kapitallebensversicherung unterschieden werden. Risikolebensversicherungen schützen die finanzielle Absicherung der Familienangehörigen des Versicherten, sollte dieser sterben.
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