Nachbarschaft24.net und Netsolution FZE: Abbofallen im Internet

Nachbarschaft24.net

Auffällig oft kam es in den letzten Monaten in der Verbraucherzentrale zu Anrufen, bei denen verzweifelte Internetnutzer Beschwerden über den Erhalt von unzähligen Rechnungen und Mahnungen äußerten. Vielleicht kommt Ihnen das auch bekannt vor: Sie erhalten eine Email mit unbekanntem Absender und einem Betreff, der ohne weiteres von einem guten Bekannten stammen könnte und oft ohne Bedenken geöffnet wird. In den hier beschriebenen Fällen enthält der Betreff auch Namen, die so gewöhnlich sind, dass man sie, ohne weiter nachzudenken, dem Bekanntenkreis zuordnet. Meistens wird dann der Betreff  „Eine neue Nachricht von …“ oder ähnlich lauten. So kann es schnell dazu kommen, dass man eine Einladung leichtfertig annimmt, die angebliche bestehende Nachricht dieses Bekannten zu lesen – und schon ist man in eine solche Internetfalle getappt. Mit Anklicken des Links schließt man dann nämlich einen angeblichen Vertrag ab, der die Zahlung von 9 Euro pro Monat beinhaltet, um die Dienste der Scheinfirmen „Nachbarschaftspost“, „Nachbarschaft24.net“ u.a. zu nutzen.

Was nun? Was kann man tun, wenn man dann plötzlich ein Schreiben von der „Netsolution FZE“ mit Sitz in Dubai erhält, die einen zur Zahlung von 59 Euro auffordert, und wenig später auch noch Drohungen von Inkassobüros im Briefkasten liegen? Nur, weil Sie eine Seite angeklickt haben, auf der Sie eine Nachricht eines Freundes oder Nachbarn lesen wollten. Über deren angebliche Existenz wurden Sie – übrigens auch telefonisch ist dies verbreitet – zuvor informiert. Was, wenn aber die Kosten, deren Zahlung prompt verlangt wird, in keiner oder nur höchst unverständlicher Art und Weise auf der betreffenden Internetseite dargestellt sind? Oder wenn sie für einen Normalbürger in unverständlicher Weise in den ABG versteckt werden und der Anbieter überdies auch noch im Falle der Nichtzahlung Ihnen Betrug vorwirft?

Dass Sie in eine solche Falle getreten sind, erkennen Sie schon an dem immer gleichen Prinzip: eine bunte Seite mit einem attraktiven Angebot wird präsentiert, das Anmeldeformular ist deutlich sichtbar, die Kosten hierfür sind allerdings alles andere als sichtbar aufgeführt. Das Ausfüllen des Formulars kann aber auch genau so lediglich im gutgläubigen Klicken eines gefakten Links liegen, und der Vertragsabschluss ist schneller passiert als man darüber nachdenken kann.

Eine Abmahnung der Verbraucherzentrale Brandenburg vom 23.06.2008 führte bisher zu keiner Entscheidung. Die Häufung dieser Fälle ist aber mehr als signifikant: So gehen derzeit monatlich bis zu 22.000 Beschwerden über diese dreisten Fallen bei deutschen Verbraucherzentralen ein, denn die Nachbarschaftspost ist nur eine von unzähligen dieser Abzockfallen. Meist kann man inzwischen davon ausgehen, dass man in eine solche Vertrags- bzw. Abofalle getreten ist.

Folgende Verhaltensweisen sind hier nach anwaltlicher Beratung ratsam:

1. Man kann auf der einen Seite die Rechnungen einfach nicht bezahlen, auch wenn es zu den bereits erwähnten nachfolgenden Drohschreiben von Inkassobüros kommt. Diese können gelegentlich sogar Ankündigungen von Schufa-Einträgen, Zwangsvollstreckungen oder Strafanzeigen beinhalten. Eine Zwangsvollstreckung ist allerdings nur möglich, wenn die Forderung tituliert ist, d.h. rechtskräftig wäre.

2. Eine weitere Handlungsmöglichkeit ist es, der Forderung einmalig zu widersprechen.

Ein Widerspruch ist einerseits ratsam, wenn man nicht von einer solchen Abzocker-Scheinfirma ausgeht und rechtlich auf der sicheren Seite sein will. Auf der anderen Seite aber ist beim Ausgehen von einem kostenlosen Dienst für Sie als gutgläubig Getäuschter gar kein Vertrag zustande gekommen, somit muss ihm auch nicht widersprochen werden.

Der Widerspruch sollte als Beweisstück in jedem Fall aufgehoben werden, und zwar gerade in dem Fall, dass die Mail oder das Fax als unzustellbar zurückgekommen ist.

3. Vorsorglich sollte der Vertrag widerrufen werden. Oft ist nämliche keine oder eine nur unzureichenden Widerrufsbelehrung erteilt worden, so dass die Widerrufsfrist nicht zu laufen beginnt; ein Widerruf somit noch weit nach Vertragsschluss möglich ist.

Haben Sie sich für die Variante entschieden, in keiner Form auf die Rechungen und sonstigen Schreiben zu reagieren, sollten Sie allerdings eine Ausnahme unbedingt im Auge behalten: in seltenen Fällen kommt es zu einem vom zuständigen Amtsgericht erteilten gerichtlichen Mahnbescheid. Hier sollte fristgerecht widersprochen werden! Falls der Anbieter dann weitere Schritte einleitet, wird er spätestens vor Gericht an dem Problem scheitern, beweisen zu müssen, dass die Forderung tatsächlich besteht.

Sollten Sie tatsächlich einem solchen Hinterhalt zum Opfer gefallen sein, ist in jedem Fall die sicherste Variante, sich über die Handlungsmöglichkeiten ausführlich beraten zu lassen. Nur ein auf das Medienrecht spezialisierter Rechtsanwalt kann Ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, die etwa AGB-rechtlich zu einer wirksamen Abwehr der Forderungen führen können.

Please follow and like us: